16
Oktober
2017

Michael Patrick Kelly - iD

5.0/5 Bewertung (3 Stimmen)

Michael Patrick Kelly -  iD
VÖ.: 16.06.2017
Was ist die iD von Michael Patrick Kelly? Teenieschwarm, Mönch, Rockmusiker?
Sein bisheriges Leben liest sich wie ein Drehbuch, in dem ein einziger Akteur alle Hauptrollen spielt. Als Kind wird er in eine Familienband hinein geboren, lernt dort fast noch im ...

Pampersalter die ersten Instrumente spielen und das ABC des Songwritings, um dann als Teenager mit seinen Hits plötzlich der Schwarm einer ganzen Generation zu werden. Nach dem Orkan der Popularität, der mit 20 Millionen verkauften Alben und Stadiontourneen über ihn hinwegfegte, macht er einen radikalen Schritt: er wird Mönch und schließt sich über sechs Jahre in die Stille eines Klosters ein, um es dann zu verlassen, wenn der Ruf der Musik unüberhörbar laut wird. Als Solokünstler erlebt er jetzt eine aus diesen Extremen gereifte Wiedergeburt.

Aber, wie bei allen guten Stories: Wenn man denkt, sie wären vorbei, Happy End, gehen sie erst so richtig los. Michael Patrick Kellys neues Album heißt „iD“ (für Identität) – ein klares Signal zu einem Zeitpunkt, der treffender nicht sein könnte. Die neuen Songs zeigen wie durch ein Kaleidoskop die vielseitige und doch geballte Identität eines außergewöhnlichen Künstlers, und lassen zweifellos einen neuen Zenit seines musikalischen Werdegangs erahnen. 

Von mehr als 40 geschriebenen Songs sind 14 auf der Platte gelandet. Aufgenommen in London in einer Zeit, in der alles, was außerhalb des Studios passierte absurd schien. Trump, Brexit, Terror - die Welt spielte verrückt und schien ihre Identität, ihre iD, an das Chaos zu verlieren. Das Album „iD“ ist von diesem Zeitgeist geprägt, verfällt aber weder in Verzweiflung noch in Zynismus. Im Gegenteil: Man hört den Durchbruch von Lebenswille und Orientierung. 

Der Opener „Golden Age“ verbreitet Aufbruchsstimmung im sehnsüchtigen Ruf nach einer goldenen Zeit. Der Titelsong „iD“ enthält ein Feature von Freund und Kollege Gentleman, und bringt mit den Fragen „Who am I? Who are you? Who are we?“ das Thema des Albums auf den Punkt. Das Sprichwort, „zeige mir Deine Freunde, und ich sage Dir wer Du bist“, findet seine Vertonung in „Friends R Family“. Die Frage nach der Identität lässt Michael Patrick Kelly aber auch über sich selbst hinausblicken: Wie jemand liebt oder wie einer stirbt, verrät viel über die Person. Davon sprechen „How Do You Love“, und auch „Last Words“, das er für eines seiner bislang mutigsten Stücke hält. Der Songtext besteht hier ausschließlich aus den letzten Worten einiger Berühmtheiten, von Marie-Antoinette bis Steve Jobs. Aus seiner Zeit im Kloster stammt das Lied „New Spirit“, mit einem weiteren Feature, diesmal von der englischen Folkband Wildwood Kin. „Requiem“ ist ein Song für die Opfer der dunklen Seite des Rock N’ Roll wie etwa Kurt Cobain, Janis Joplin oder Jeff Buckley. Grundoptimismus hingegen in „Run Jump Fly“  oder „Free“. Jeder weitere Song ist ein Puzzleteil vom großen Ganzen. Von Jemandem, der fest auf beiden Beinen steht, und gerade deswegen offen ist für Neues, für den Sprung ins kalte Wasser.

Michael Patrick Kelly verbrachte für die Aufnahmen ein halbes Jahr in London, der Welthauptstadt des Pop. Egal ob in den Studios von David Bowie, Pete Townsend oder Mark Knopfler: Man kann in London kaum Musik produzieren ohne über Musikgeschichte zu stolpern. Zwei der Tonstudios waren auf Schiffen – womit sich ein Kreis schloss für den Künstler, der mehrere Jahre seines Lebens auf einem Hausboot gewohnt hat. Wenn er vor die Tür seines Apartments trat, war er in Stadtteilen wie Soho oder Camden, die einen berauschen mit ihrer wilden Internationalität. No Rules! Das war schon immer das Leitmotiv für das Musikmachen in London.

Hiervon inspiriert macht Michael Patrick Kelly in seinem Album „iD“ alle seine Einflüsse geltend:

Vom Folk, den er mit der Muttermilch aufsog, über seine Jugendliebe zum Grunge und Rock, zu seinen ewigen Vorbildern U2, Bob Dylan und Bruce Springsteen, bis hin zu aktuellen Indie-Bands wie Bon Iver. Auch Elemente aus dem Soul der 60er und 70er Jahre überraschen nicht bei einem Musiker, der gerne Grenzen durchbricht und nicht in Genre-Schubladen denkt. 

Gerade weil Michael Patrick Kelly nicht nur schreibt, singt und spielt, sondern auch als Producer arbeitet, weiß er worauf es ankommt: Das kreative Ping-Pong, die Synergien von Masterminds, die eine Platte in qualitative Höhen katapultieren. Darum hat er sich ein Team aus exzellenten Songwritern, Produzenten und Musikern an Bord geholt, wie z.B. Grammy Award Producer Jimmy Hogarth (Amy Whinehouse, James Bay, Sia, Duffy), dem die Wärme der analogen Aufnahmen zu verdanken ist, sowie das erfolgreiche Produzententeam Alex Beitzke & Bradley Spence (James Arthur, Florence and the Machine).

Das Ergebnis ist ein grandioses Album, das unverfälscht den Kern der musikalischen DNA von Michael Patrick Kelly trifft. Auf seiner langen Reise vom Teenieschwarm, zum Mönch und nun souveränen Rockmusiker, ist er seinem Lebensmotto „Keep your spirit free“ immer treu geblieben. Man nimmt es ihm ab, wenn er im Titelsong „iD“ singt:

„If you see my iD, iD, iD, I’m more than a passport, I’m unique“

Tourdaten unter www.michael-patrick-kelly.com

Quelle Text & Foto: Sony

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Autor: Thomas Wendel Kategorie: CD - Tipp der Woche, Musik | News Tags: Pop | Rock | Soul

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